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Zinsdruck und Ölpreis-Rally: Wall Street vor dem Start der US-Berichtssaison im Wartemodus

Vor dem mit Spannung erwarteten Auftakt der US-Berichtssaison präsentierten sich die Börsen in New York uneinheitlich und von spürbarer Vorsicht geprägt. Steigende Rohölpreise infolge neuer Nahost-Spannungen sowie anhaltende Sorgen vor weiteren Zinsschritten der Federal Reserve dämpften die Risikofreude der Anleger.

Dr. Marion Gärtner

Von Dr. Marion Gärtner

Dr. Marion Gärtner analysiert seit über zehn Jahren die internationalen Aktienmärkte und liefert tiefgründige Berichte zu globalen Indizes für Kursreport. Ihre präzisen Marktanalysen machen komplexe Entwicklungen leicht verständlich.

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Zinsdruck und Ölpreis-Rally: Wall Street vor dem Start der US-Berichtssaison im Wartemodus
Bild: Zinsdruck und Ölpreis-Rally: Wall Street vor dem Start der US-Berichtssaison im Wartemodus

Der US-Aktienmarkt hat sich zum Start einer richtungsweisenden Woche von seiner vorsichtigen Seite gezeigt. Am Vorabend der traditionell durch die Großbanken eröffneten Quartalsberichterstattung hielten sich die Marktteilnehmer an der Wall Street spürbar zurück. Neben der geopolitischen Unsicherheit im Nahen Osten erwiesen sich vor allem die erneut anziehenden Energiepreise und die damit verbundenen Inflations- und Zinssorgen als Bremsklötze für die Aktienmärkte. Die Hoffnung auf robuste Unternehmensgewinne steht nun im direkten Kontrast zu den makroökonomischen Risiken.

Uneinheitlicher Wochenauftakt bei moderaten Umsätzen

Die großen US-Indizes spiegelten am Montag die abwartende Haltung der Investoren wider. Der klassische Standardwerteindex Dow Jones konnte sich zwar um 0,4 Prozent auf 51.851 Punkte verbessern, doch der technologielastige Nasdaq-Index gab im Gegenzug um 0,4 Prozent nach und schloss bei 27.246 Zählern. Technologieaktien reagieren erfahrungsgemäß besonders empfindlich auf die Aussicht auf längerfristig hohe Zinsen. Der breite S&P 500 verharrte nahezu unverändert und ging bei 7.807 Stellen aus dem Handel.

Unterstützende Impulse vom Rentenmarkt blieben zum Wochenstart gänzlich aus: Aufgrund des US-Feiertags „Columbus Day“ blieb der Rentenmarkt in New York geschlossen, weshalb kein aktiver Handel mit US-Staatsanleihen stattfand. Dennoch schwingt im Hintergrund weiterhin die Sorge vor den jüngst auf ein 24-Jahres-Hoch gekletterten Renditen mit. Diese wirken als direkte Konkurrenz für Aktienanlagen und verteuern gleichzeitig die Refinanzierungskosten der Unternehmen erheblich.

Ölpreis-Rally überschattet politischen „Diesel-Deal“

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für das Sentiment war die Entwicklung auf den Rohstoffmärkten. Die Ölpreise verzeichneten deutliche Aufschläge, nachdem Angriffe der jemenitischen Huthi-Rebellen auf den Flughafen der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gemeldet wurden. Die Nordseesorte Brent sowie die US-Sorte WTI verteuerten sich zeitweise um 1,3 bis 1,5 Prozent auf rund 106 beziehungsweise 93 US-Dollar je Barrel.

In Reaktion auf die verschärfte Sicherheitslage passten erste Analysten ihre Prognosen an. Das renommierte Bankenhaus Goldman Sachs hob seine Preiserwartung für Brent-Öl für den Dezember von zuvor 85 auf nun 90 US-Dollar an. Der Energiesektor zeigte sich vor diesem Hintergrund als einer der stärksten Sektoren an der Wall Street, während die breitere Wirtschaft unter der Aussicht auf anhaltend hohe Energiekosten leidet.

Die geopolitisch getriebene Rally der Ölpreise überschattete auch politische Signale aus Washington. Zwar hatte US-Präsident Donald Trump kurz zuvor ein mögliches Abkommen mit Moskau über russische Diesellieferungen in die USA angekündigt, konkrete Details dazu blieben jedoch vage. Entsprechend verpuffte die Nachricht am Markt weitgehend, zumal die geopolitische Lage im Nahen Osten als weitaus dringlicheres Risiko bewertet wird. Auch Trumps Verweis auf eine angebliche Einigung zwischen Kiew und Moskau zur Einstellung von Angriffen auf die gegenseitige Energieinfrastruktur konnte die Ölnotierungen nicht nachhaltig beruhigen.

Hohe Erwartungen an die US-Berichtssaison

Am Dienstag startet die Berichtssaison für das dritte Quartal offiziell. Wie üblich legen die großen US-Finanzinstitute den Grundstein – darunter JPMorgan Chase, Wells Fargo, Goldman Sachs und die Citigroup. Nach Daten des Finanzdatenanbieters LSEG IBES wird für die Unternehmen im S&P 500 im Durchschnitt ein deutlicher Gewinnsprung von 30,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal erwartet. Diese extrem hohe Hürde birgt jedoch auch Enttäuschungspotenzial.

Aus Analystensicht steht diesmal weit mehr auf dem Prüfstand als nur die nackten Gewinnzahlen. Clark Bellin, Chief Investment Officer bei Bellwether Wealth, betonte, dass der Fokus vor allem darauf liegen werde, wie effektiv Unternehmen Künstliche Intelligenz (KI) einsetzen und monetarisieren. Zudem rücke die Frage in den Vordergrund, inwieweit die Konzerne ihre Preissetzungsmacht in einem anhaltend inflationären Umfeld behaupten und wie sie den gestiegenen Kreditkosten begegnen können.

Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die bisherige Widerstandsfähigkeit der Unternehmensgewinne den Aktienmarkt in den vergangenen Monaten maßgeblich gestützt hat. Sollten die kommenden Bilanzen jedoch enttäuschen, droht laut Marktstrategen ein empfindlicher Rücksetzer. Derzeit bewege man sich wie „im Dunkeln auf den Gleisen“, so das prägnante Fazit von Robert Pavlik, Portfoliomanager bei Dakota Wealth.

Restriktivere Töne aus der Federal Reserve

Zusätzliches Kopfzerbrechen bereiteten den Anlegern geldpolitische Signale. Beth Hammack, Chefin der regionalen Notenbank von Cleveland, forderte ein zügiges Vorgehen der Fed hin zu einer noch restriktiveren Geldpolitik, um den anhaltenden Inflationsdruck effektiv einzudämmen. Die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung im laufenden Monat stieg im Marktkonsens prompt von 17,7 Prozent am Freitag auf knapp 22 Prozent am Montagabend.

Im weiteren Wochenverlauf dürften vor allem die neuen US-Verbraucher- und Erzeugerpreise sowie die Einzelhandelsdaten für September wichtige Indikatoren für den künftigen Kurs der Notenbank liefern. Bis dahin dürfte die Nervosität an der Wall Street hoch bleiben.

Kursreport Redaktion. Recherchegrundlage: n-tv NACHRICHTEN.
Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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