Der deutsche Leitindex DAX sorgt im Herbst 2026 für reichlich Gesprächsstoff unter technischen Analysten. Nach einer volatilen Phase richtet sich der Blick der Marktteilnehmer zunehmend auf das vierte Quartal und die Frage, ob der jüngste Aufwärtsimpuls den Startschuss für eine klassische Jahresendrallye darstellt. Eine detaillierte Elliott-Wellen-Analyse zeigt: Die Bullen haben das Ruder zwar wieder in die Hand genommen, doch im Hintergrund lauern noch charttechnische Unsicherheiten, die den Trend vorübergehend ausbremsen könnten.
Der Status quo: Impulsive Muster nach dem Bewegungstief
Der jüngste Kursverlauf des DAX lässt aufhorchen. Seit dem Unterschreiten und dem anschließenden Bruch der charttechnisch wichtigen Zielmarke bei 24.801 Punkten weist die Erholung deutliche Merkmale eines sogenannten Grundmusters auf. In der Elliott-Wellen-Theorie deutet ein solcher Verlauf – der sich entweder als klassischer Fün-Wellen-Impuls oder als korrektives Zickzack-Muster manifestiert – oft auf eine nachhaltige Trendwende hin.
Konkret könnte diese Dynamik der Auftakt zu einer breit angelegten Jahresendrallye sein. Marktbeobachter geben jedoch zu bedenken, dass die jüngsten Korrekturbewegungen nach wie vor ein hohes Maß an Mehrdeutigkeit aufweisen. Die Muster wirken in manchen Zeitebenen unvollständig, was kurzfristig für erneute Schwankungen sorgen könnte, bevor sich der übergeordnete Aufwärtstrend endgültig durchsetzt.
Die Hauptvariante: Der gedämpfte Impuls im Fokus
In der primären charttechnischen Betrachtung, dem sogenannten „gedämpften Impuls“, lässt sich die Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate präzise aufschlüsseln. Dieser Pfad geht davon aus, dass sich der DAX innerhalb einer übergeordneten, impulsiven Welle (lila Welle 3) befindet, deren Zielbereich weit über der Marke von 16.297 Punkten liegt. Innerhalb dieser Bewegung hat der Index nach den Zwischenstationen bei 16.537 Punkten (blaue Welle 1) und 14.585 Punkten (blaue Welle 2) eine massive Aufwärtsdynamik entwickelt.
Diese blaue Welle 3 erreichte zuletzt ein Hoch bei 26.619 Punkten und hat damit die wichtige 161er-Fibonacci-Ausdehnung bei 22.237 Punkten deutlich überschritten. Für die nähere Zukunft ist vor allem die Entwicklung der untergeordneten Wellen von Bedeutung:
Die Welle 4 (orange): Diese Korrekturwelle fand bei 21.860 Punkten ihr Ende, nachdem sie ein komplexes Muster ausbildete (grüne A/W bei 18.809 Punkten, eine überschießende B/X bei 25.512 Punkten und die finale C/Y bei 21.860 Punkten). Aufgrund des zeitlichen Ablaufs gilt diese Phase als abgeschlossen. Die Welle 5 (orange): Aktuell läuft die fünfte Welle, die bisher bis auf 26.619 Punkte vorgestoßen ist. Während das Maximalziel einer kurzen Variante bei 25.851 Punkten bereits überschritten wurde, liegt das Minimalziel einer ausgedehnten Welle 5 bei beachtlichen 28.906 Punkten.
Sollte sich dieses bullische Szenario bewahrheiten, befindet sich der Markt nach dem Erreichen des 38er-Retracements bei 24.801 Punkten in einer exzellenten Ausgangslage. Das jüngste Tief bei 24.786 Punkten hat die Pflichtaufgabe für eine gesunde Korrektur erfüllt. Damit könnte die nächste Aufwärtswelle (grüne Welle 3) jederzeit starten oder hat bereits begonnen. Sollten die Korrekturmuster hingegen noch nicht vollständig abgeschlossen sein, wäre ein temporärer Rücklauf im Rahmen des übergeordneten Aufwärtstrends ein plausibles Alternativszenario.
Die Alternativvariante: Der Power-Impuls als bullischer Treiber
Neben der Hauptvariante existiert eine noch optimistischere Interpretation des Chartbildes – der sogenannte „Power-Impuls“. In dieser Nebenvariante wird davon ausgegangen, dass sich der DAX in einer extrem starken, ausgedehnten Welle befindet.
Hierbei markierte der Index im März 2025 bei rund 23.477 Punkten ein wichtiges Zwischenhoch (lila Welle 1). Nach einer abgeschlossenen Korrektur bei 21.860 Punkten (lila Welle 2) läuft demnach die lila Welle 3, die den Markt direkt in Richtung neuer Rekordmarken katapultieren könnte. Selbst wenn man davon ausgeht, dass diese Welle 3 bei 26.619 Punkten vorerst beendet wurde, würde die laufende Welle 4 lediglich eine Konsolidierung auf hohem Niveau darstellen, bevor die nächste große Kaufwelle einsetzt.
Fazit für Anleger: Langfristiger Aufwärtstrend intakt
Unabhängig davon, ob man der Hauptvariante des gedämpften Impulses oder dem Power-Impuls den Vorzug gibt: Die technische Struktur des DAX bleibt konstruktiv. Gemeinsam mit den US-Leitindizes wie dem Dow Jones Industrial Average (DJI) scheint sich der deutsche Aktienmarkt auf einem nachhaltigen Weg in neue Höchstbereiche zu befinden.
Ein wesentlicher Katalysator für diese Entwicklung könnte zudem das globale makroökonomische Umfeld sein. Ein anhaltender Inflationsdruck führt häufig dazu, dass Sachwerte – und damit auch erstklassige Aktientitel – bevorzugt gesucht werden. Dieser Effekt könnte die ohnehin bullischen Elliott-Wellen-Muster in den kommenden Monaten sogar noch beschleunigen. Anleger sollten kurzfristige Rücksetzer im Bereich von 24.800 Punkten daher genau beobachten, da sie strategische Einstiegsgelegenheiten für die antizipierte Jahresendrallye bieten könnten.

