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DAX trotzt US-Inflationsdaten: Richtungskampf an der 21-Tage-Linie

Der deutsche Leitindex zeigt sich am Mittwoch robust gegenüber den unerwartet stark gestiegenen US-Verbraucherpreisen und verteidigt die Marke von 25.300 Punkten. Während Anleger angesichts geldpolitischer Unsicherheiten agieren, rückt die anlaufende Quartalsberichtsaison zunehmend in den Mittelpunkt des Interesses.

Oliver Neumann

Von Oliver Neumann

Als Spezialist für Unternehmenszahlen behält Oliver Neumann jede Bilanz im Blick und schlüsselt komplexe Quartalsberichte verständlich auf. Er blickt dabei besonders gerne hinter die Kulissen der großen DAX-Konzerne.

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DAX trotzt US-Inflationsdaten: Richtungskampf an der 21-Tage-Linie
Bild: DAX trotzt US-Inflationsdaten: Richtungskampf an der 21-Tage-Linie

DAX trotzt US-Inflationsdaten: Richtungskampf an der 21-Tage-Linie

Der deutsche Aktienmarkt präsentiert sich am heutigen Mittwoch widerstandsfähig. Trotz unerwartet robuster Inflationsdaten aus den USA konnte der DAX seine Kursgewinne aus dem frühen Handel weitgehend verteidigen. Anleger schwanken derzeit zwischen der Hoffnung auf eine starke Berichtssaison und der Sorge vor anhaltend restriktiven Zentralbanken.

Moderates Plus zum Handelsstart

Der deutsche Leitindex startete mit einem Aufschlag von 0,25 Prozent bei 25.322,08 Punkten in die Mitte der Handelswoche. Im weiteren Verlauf bauten die Notierungen ihre Gewinne zeitweise aus und nahmen die psychologisch wichtige Marke von 25.500 Zählern ins Visier. Ein zwischenzeitlicher Rücksetzer am Nachmittag, ausgelöst durch makroökonomische Daten aus Übersee, wurde von den Marktteilnehmern rasch absorbiert. Am späten Nachmittag stabilisierte sich das Barometer wieder im grünen Bereich.

Der Kampf um den kurzfristigen Trend

Aus technischer Sicht befindet sich der DAX in einer entscheidenden Phase. Das Indexgewicht ringt intensiv mit der gleitenden 21-Tage-Linie, die als wichtiger Indikator für den kurzfristigen Trend gilt. Diese verläuft aktuell bei 25.313 Punkten. Zwar konnte der DAX diese Marke im Tagesverlauf zeitweise überschreiten, eine nachhaltige Absetzung nach oben steht jedoch noch aus.

Marktbeobachter beschreiben die aktuelle Situation als Phase der Konsolidierung. Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, konstatiert: „Der DAX ist weiterhin auf Richtungssuche.“ Es handele sich derzeit um einen typischen „Abwarte-Markt“. Viele institutionelle Investoren zögern, in großem Stil neue Positionen aufzubauen. Dahinter steht die Sorge, im historisch oft starken vierten Quartal durch unerwartete Marktverwerfungen auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Die Zurückhaltung spiegelt sich auch im moderaten Handelsvolumen wider.

US-Inflation schürt neue Zinssorgen

Für spürbare Volatilität am Nachmittag sorgten die neuesten Inflationsdaten aus den USA. Wie das Bureau of Labor Statistics mitteilte, kletterten die Verbraucherpreise im September im Jahresvergleich um 3,7 Prozent. Damit lag die Teuerungsrate über dem Wert des Vormonats (3,4 Prozent) und übertraf zudem die Konsensschätzung der Ökonomen, die mit 3,6 Prozent gerechnet hatten.

Auch die Kernrate, welche die volatilen Preise für Energie und Nahrungsmittel außen vor lässt, lieferte keine Entspannung. Sie stieg um 2,6 Prozent, während Analysten im Schnitt von 2,5 Prozent ausgegangen waren. Diese anhaltende Dynamik bei den Verbraucherpreisen birgt makroökonomischen Sprengstoff: Sie untermauert das Szenario, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen länger auf einem hohen Niveau belassen oder sogar einen weiteren Zinsschritt nach oben in Erwägung ziehen könnte. Insbesondere kapitalintensive Branchen wie der Technologiesektor reagieren empfindlich auf solche Aussichten, da steigende Refinanzierungskosten die zukünftigen Erträge schmälern.

Berichtssaison liefert Impulse: ASML im Fokus

Als wichtiges Gegengewicht zu den makroökonomischen Belastungsfaktoren erweist sich die nun an Fahrt aufnehmende Berichtssaison für das dritte Quartal. Während in den USA weitere Großbanken ihre Bücher öffnen, stand in Europa der Halbleitersektor im Rampenlicht.

Der niederländische Chipausrüster ASML legte seine aktuellen Quartalszahlen vor. Das Unternehmen, das als Schlüsselakteur für die globale Halbleiterindustrie gilt, verzeichnet weiterhin eine ungebrochen hohe Nachfrage nach seinen hochentwickelten Lithographiesystemen. Aktuell übersteigt der Bestelleingang die Produktionskapazitäten des Konzerns. ASML kündigte an, die Kapazitäten weiter massiv auszubauen, um dem weltweiten Bedarf gerecht zu werden. Diese soliden Aussichten stützten nicht nur die Aktie von ASML selbst, sondern strahlten auch positiv auf deutsche Tech- und Halbleiterwerte im DAX aus.

Abstand zum Allzeithoch bleibt bestehen

Trotz der heutigen freundlichen Tendenz bleibt der DAX ein gutes Stück von seinen historischen Höchstständen entfernt. Seine jüngste Rekordmarke hatte der Leitindex am 28. August dieses Jahres markiert. Das damalige Intraday-Allzeithoch liegt bei 26.618,74 Zählern, während der höchste Schlusskurs der Geschichte bei 26.569,99 Punkten registriert wurde. Um diese Regionen wieder zu erreichen, bedarf es laut Analysten einer nachhaltigen Entspannung an der Zinsfront sowie weiterer positiver Überraschungen aus der laufenden Unternehmensberichterstattung.

Für die kommenden Handelstage dürfte die Nervosität am Markt hoch bleiben. Die Kombination aus restriktiver Geldpolitik und den anstehenden Quartalsberichten von Schwergewichten aus verschiedenen Branchen wird zeigen, ob der DAX die Kraft besitzt, die 21-Tage-Linie dauerhaft nach oben zu durchbrechen oder ob die Konsolidierung in eine tiefere Korrektur übergeht.

Kursreport Redaktion. Recherchegrundlage: finanzen.net.
Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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