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JPMorgan Chase

Dämpfer im Handelsgeschäft: JPMorgan enttäuscht beim Anleihehandel

Die US-Großbank JPMorgan Chase hat im dritten Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten verfehlt, was vor allem an einem schwachen Anleihehandel lag. Während das klassische Kreditgeschäft weiterhin stabil verläuft, geriet die Aktie vorbörslich unter Abgabedruck.

Franziska Neumann

Von Franziska Neumann

Als Expertin für Quartalszahlen und Unternehmensberichte analysiert sie Bilanzen bis ins kleinste Detail. Sie macht komplexe Finanzdaten für die Leser verständlich und nahbar.

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Dämpfer im Handelsgeschäft: JPMorgan enttäuscht beim Anleihehandel
Bild: Dämpfer im Handelsgeschäft: JPMorgan enttäuscht beim Anleihehandel

Die US-Großbank JPMorgan Chase (ISIN: US46625H1005) hat die Finanzmärkte mit der Vorlage ihrer jüngsten Quartalszahlen enttäuscht. Nach Bekanntgabe der Ergebnisse für das dritte Quartal gerieten die Papiere des New Yorker Branchenprimus spürbar unter Druck. Im vorbörslichen US-Handel gaben die Titel um rund 3,6 Prozent auf etwa 322 US-Dollar nach, nachdem sie am Vortag bei 334,30 US-Dollar geschlossen hatten. Damit rutschte die Aktie unter ihr Oktobertief von 325,87 US-Dollar. Dass das Institut die Gewinnerwartungen verfehlt, gehört an der Wall Street zu den seltenen Ausnahmen.

Schwacher Rentenhandel belastet die Bilanz

Im dritten Quartal erwirtschaftete JPMorgan einen Gewinn von 5,57 US-Dollar je Aktie. Dies entspricht zwar einem Zuwachs von knapp zehn Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, lag jedoch deutlich unter der Konsensschätzung der Analysten von 5,92 US-Dollar. Die Erträge stiegen um gut acht Prozent auf 50,91 Milliarden US-Dollar, blieben damit aber ebenfalls hinter den Erwartungen zurück.

Der primäre Belastungsfaktor lag im Handelsgeschäft. Der Bereich Fixed Income, Currencies and Commodities (FICC) – also der Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen – blieb mit Erlösen von 5,37 Milliarden US-Dollar deutlich hinter den prognostizierten 6,0 Milliarden US-Dollar zurück. Diese Schwäche konnte auch durch das starke Ergebnis im Aktienhandel nicht kompensiert werden, der mit 4,95 Milliarden US-Dollar die Schätzungen von 4,47 Milliarden US-Dollar übertraf.

Robustes Kreditgeschäft sorgt für Stabilität

Trotz der negativen Kursreaktion zeigt der Blick auf die Details, dass das klassische Kundengeschäft der Bank weiterhin stabil verläuft. Der Zinsüberschuss, die Differenz zwischen den Zinseinnahmen aus dem Kreditgeschäft und den Zinsaufwendungen für Einlagen, lag mit rund 27 Milliarden US-Dollar leicht über den Erwartungen des Marktes.

Gleichzeitig präsentierte sich die Kreditqualität als äußerst robust. Die Risikovorsorge für faule Kredite belief sich auf 2,74 Milliarden US-Dollar. Das ist nicht nur weniger als im Vorjahresquartal (3,40 Milliarden US-Dollar), sondern liegt auch unter den Befürchtungen der Analysten. Die operative Schwäche im dritten Quartal resultiert somit vor allem aus dem schwankungsanfälligen Marktgeschäft und nicht aus einer Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds für Kreditnehmer.

Bewertung und fundamentale Kennzahlen

Nach dem jüngsten Kursrücksetzer erscheint die Aktie auf Basis zukünftiger Gewinnschätzungen moderat bewertet. Vor der Veröffentlichung der Zahlen erwarteten Marktbeobachter für das Jahr 2026 einen Gewinn von 24,14 US-Dollar je Aktie, gefolgt von 24,52 US-Dollar für 2027 und 25,80 US-Dollar für 2028.

Sollte der Kurs im Zuge der aktuellen Konsolidierung auf 315 US-Dollar nachgeben, ergäben sich daraus Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGV) von 13,0 (2026), 12,8 (2027) und 12,2 (2028). Diese Kennzahlen liegen nahe am historischen Durchschnitt der US-Bankenbranche. Das mittlere Kursziel der Analysten lag zuletzt bei 372,14 US-Dollar. Zudem untermauert die Bank ihre Attraktivität für Dividendenjäger: Im Sommer wurde die Quartalsausschüttung auf 1,65 US-Dollar angehoben, was die 16. Erhöhung in Folge markiert.

Risikofaktoren und strategische Hürden

Trotz der fundamentalen Stärke im Kerngeschäft sieht sich JPMorgan mit strategischen Unsicherheiten konfrontiert. Sollten Marktteilnehmer die Schwäche im Anleihehandel als strukturell und dauerhaft bewerten, drohen weitere Abwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen. Zudem schränken strengere Eigenkapitalvorschriften für global systemrelevante Institute den Spielraum für Aktienrückkäufe ein.

Auf politischer Ebene sorgt eine Schadenersatzklage von US-Präsident Donald Trump über 5 Milliarden US-Dollar wegen angeblich politisch motivierter Kontokündigungen für Unruhe. Hinzu kommt die weiterhin ungeklärte Nachfolgefrage von CEO Jamie Dimon.

Aus charttechnischer und saisonaler Sicht könnte das Niveau von 315 US-Dollar jedoch eine solide Unterstützung für eine Erholung in Richtung 340 US-Dollar bieten. Historisch betrachtet verzeichnete die Aktie im vierten Quartal häufig Kursgewinne: In acht der vergangenen zehn Jahre lag das Papier zwischen Anfang Oktober und Jahresende im Plus, mit einem Median-Zuwachs von fast 20 Prozent.

Kursreport Redaktion. Recherchegrundlage: finanzen.net.
Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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