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American Express

Umbau bei American Express: Stellenabbau trübt starke Quartalsbilanz

Trotz eines deutlichen Gewinn- und Umsatzwachstums im dritten Quartal baut American Express rund fünf Prozent seiner Belegschaft ab, um Kosten zu senken und die Agilität zu steigern. An der Börse stießen die Ankündigungen und die jüngsten Transaktionsvolumina jedoch auf verhaltene Reaktionen, was die Aktie zeitweise ins Minus drückte.

Thomas Berger

Von Thomas Berger

Er ist der Spezialist für Rohstoffmärkte und börsennotierte ETFs bei Kursreport. Zuvor war er als Investmentanalyst in Frankfurt tätig und bringt tiefes Praxiswissen in seine täglichen Marktberichte ein.

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Umbau bei American Express: Stellenabbau trübt starke Quartalsbilanz
Bild: Umbau bei American Express: Stellenabbau trübt starke Quartalsbilanz

Der US-amerikanische Kreditkartenkonzern American Express blickt auf ein operativ erfolgreiches drittes Quartal zurück, sorgt jedoch gleichzeitig mit weitreichenden Sparmaßnahmen für Aufsehen. Trotz deutlicher Zuwächse bei Umsatz und Gewinn kündigte das Unternehmen den Abbau von rund fünf Prozent seiner weltweiten Belegschaft an. An der Wall Street stießen die Nachrichten auf ein geteiltes Echo: Während die operativen Kennzahlen die Erwartungen der Analysten übertrafen, geriet die Aktie nach Handelsbeginn unter Druck.

Effizienzsteigerung im Fokus: 3.500 Arbeitsplätze fallen weg Konkret betrifft der geplante Stellenabbau rund 3.500 der insgesamt etwa 78.000 Beschäftigten des Konzerns. Vorstandschef Steve Squeri begründete diese Maßnahme mit der Notwendigkeit, das Unternehmen agiler und effizienter aufzustellen. Obwohl American Express derzeit über ein \"gutes Momentum\" im operativen Geschäft verfüge, müssten interne Prozesse verschlankt werden, um Innovationen schneller vorantreiben zu können. Der freigesetzte finanzielle Spielraum soll direkt in strategische Prioritäten und künftige Wachstumsprojekte reinvestiert werden.

Für die Umsetzung dieses Umbaus verbuchte das Unternehmen im dritten Quartal eine außerordentliche Restrukturierungsbelastung in Höhe von 336 Millionen US-Dollar. Diese Summe, die im Wesentlichen für Abfindungszahlungen und Sozialpläne aufgewendet wird, belastet das aktuelle Quartalsergebnis. Finanziert wird das Effizienzprogramm unter anderem durch Sondereinnahmen: American Express nutzte einen Teil der Erlöse aus dem Verkauf seiner Beteiligung an der Global Business Travel Group, um die Restrukturierungskosten zu decken.

Mit diesem Sparkurs steht American Express in der globalen Finanzbranche nicht allein da. Auch andere Branchengrößen haben in den vergangenen Monaten signifikante Sparprogramme aufgelegt. So kündigte die britische Großbank Barclays jüngst den Abbau von rund 5.000 Arbeitsplätzen an, während die US-Großbank Citigroup ebenfalls im Rahmen einer tiefgreifenden Reorganisation in großem Stil Personal reduziert.

Starke Quartalszahlen und angehobene Langzeitprognose Ein Blick auf die nackten Geschäftszahlen des dritten Quartals verdeutlicht, dass sich American Express in einer soliden wirtschaftlichen Verfassung befindet. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 20,1 Milliarden US-Dollar. Noch deutlicher fiel das Plus beim Überschuss aus: Der Nettogewinn kletterte um 28 Prozent auf 3,7 Milliarden US-Dollar.

Allerdings ist dieser Gewinnanstieg stark durch Sondereffekte geprägt. Der bereits erwähnte Verkauf der Anteile an der Global Business Travel Group steuerte rund 750 Millionen US-Dollar nach Steuern zum Ergebnis bei. Doch auch ohne diesen Einmaleffekt lag der bereinigte Gewinn des Kreditkartenanbieters über den durchschnittlichen Schätzungen der Finanzanalysten.

Angesichts der robusten Verfassung des Kerngeschäfts zeigte sich das Management auch für die mittelfristige Zukunft optimistisch. Konzernchef Squeri hob das Gewinnziel für das Geschäftsjahr 2026 an. Der Gewinn je Aktie (EPS) soll nun in einer Spanne von 18,30 bis 18,60 US-Dollar liegen. Damit wurde insbesondere die Obergrenze des Ausblicks um 40 Cent angehoben – ein klares Signal an den Markt, dass das Unternehmen langfristig mit einer höheren Profitabilität rechnet.

Hohe Erwartungen und die Besonderheiten des Geschäftsmodells Trotz der positiven Gewinnüberraschung und der angehobenen Prognose reagierten die Marktteilnehmer an der New Yorker Börse zurückhaltend. Kurz nach dem Handelsstart verlor die Aktie von American Express rund drei Prozent an Wert. Marktbeobachter machten hierfür vor allem die Erwartungshaltung der Investoren bezüglich der Kartenumsätze verantwortlich. Viele Anleger hatten im Vorfeld mit einem noch dynamischeren Wachstum des Transaktionsvolumens gerechnet.

Dass bereits geringfügige Abweichungen bei den Umsatzzahlen zu spürbaren Kursreaktionen führen, liegt an der besonderen Struktur des Geschäftsmodells von American Express. Im Gegensatz zu den reinen Zahlungsabwicklern Visa und Mastercard fungiert American Express sowohl als Netzwerkbetreiber als auch als direkter Kreditgeber. Das Unternehmen übernimmt das Ausfallrisiko der Kredite selbst und profitiert im Gegenzug direkt von den Zinserträgen.

Zudem konzentriert sich American Express traditionell auf eine einkommensstarke und zahlungskräftige Kundschaft. Diese Premium-Kunden zahlen vergleichsweise hohe Jahresgebühren für ihre Kreditkarten, erhalten im Gegenzug jedoch exklusive Vorteile wie Zugang zu Flughafen-Lounges, Reiseversicherungen oder Bonusprogramme. Dieses geschlossene System (\"Closed Loop\") ist hochgradig profitabel, reagiert jedoch auch sensibler auf Veränderungen im Konsumverhalten der Verbraucher. Sobald die Ausgabefreude im Premium-Segment leicht nachlässt oder das Wachstum der Kartenumsätze stagniert, reagiert die Börse aufgrund der hohen Bewertung der Aktie prompt.

Fazit und Ausblick Die jüngsten Maßnahmen zeigen, dass American Express trotz einer Phase des Wachstums frühzeitig die Weichen für eine härtere gesamtwirtschaftliche Gangart stellt. Während die Restrukturierungskosten von 336 Millionen US-Dollar das Ergebnis des dritten Quartals unmittelbar belasten, werden sich die positiven Kosteneffekte aus dem Stellenabbau erst in den kommenden Quartalen nennenswert niederschlagen. Für Anleger bleibt die Aktie ein Balanceakt zwischen einer starken Premium-Marke mit hoher Kundenloyalität und der ständigen Abhängigkeit von der globalen Konsumkonjunktur.

Kursreport Redaktion. Recherchegrundlage: Börse Express.
Angaben ohne Gewähr, keine Anlageberatung.

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